freies wissen für berlin

Am vergangenen Freitag fand im Radialsystem am Ostbahnhof die Veranstaltung »Freies Wissen für Berlin, Berlin für freies Wissen« statt, zu der Wikimedia Deutschland Macher und Interessierte aus der Hauptstadt eingeladen hatte. Moderiert von Sebastian »sebaso« Sooth stellten die sieben Gäste auf dem »Podium« ihre Projekte und Anliegen zum Thema Freies Wissen vor. Im einzelnen waren dies: Michelle Thorne von der Mozilla Foundation, John Weitzmann von Creative Commons Deutschland, Hauke Gierow und Stefan Wehrmeyer von der Open Knowledge Foundation, Dr. Christine Wolf vom Landesdenkmalamt Berlin, Pavel Richter von Wikimedia Deutschland – und ich, für den Denkmal-Fotowettbewerb Wiki Loves Monuments.

(Foto: Kilian, CC-BY-SA)

So vielfältig wie die Gäste und ihre Projekte war auch die folgende Diskussion. Besonders interessant für mich waren dabei die diversen Antworten auf die Fragen von Frau Dr. Wolf, die bis dahin noch keine Berührung mit freiem Wissen hatte und somit den Sprung ins kalte Wasser wagte. Mathias Schindler konnte daraufhin aus seiner Erfahrung bei der Veröffentlichung von Datenbanken und Archivmaterial unter freien Lizenzen berichten und eine Reihe wichtiger Fragen mit auf den Weg geben. So ist beispielsweise bei vielen Archivbildern häufig unklar, wer die Nutzungsrechte hält. Wurde es nämlich versäumt, im Arbeitsvertrag für die fotografierenden Mitarbeiter eine entsprechende Passage einzufügen, bleiben diese im Besitz sämtlicher Rechte und eine Freigabe durch die Behörde ist nicht möglich.

Schon fast Routine war, dass im Zusammenhang mit Wiki Loves Monuments die Frage nach der Rechtmäßigkeit der erstellten Bilder und der Möglichkeit eines Einspruchs gegen eine Veröffentlichung aufkam. Hier scheint insbesondere dem Berliner Datenschutzbeauftragten Dr. Alexander Dix die Rechtslage nicht präsent zu sein, wie ein Gast aus eigener Erfahrung berichtete. Pavel Richter bot hier dankenswerterweise an, für einen etwaigen Musterprozess persönlich zur Verfügung zu stehen. Ich bin gespannt, ob es tatsächlich dazu kommt, denn im Zuge der Einführung von Streetview hat Google zahlreiche Prozesse vor Oberlandesgerichten gewonnen, welche die geltenden Gesetze und ihre Auslegung bestätigen.

Allen, die sich bisher nicht damit beschäftigt haben, sei an dieser Stelle gesagt, dass es in Deutschland aufgrund der sogenannten Panoramafreiheit gestattet ist, alle von öffentlichem Grund aus erstellten Bilder ohne Rücksprache mit Hausbesitzern zu veröffentlichen, solange zur Erstellung keine Hilfsmittel zur Überwindung von Sichtbarrieren, also etwa eine Leiter, verwendet wurde. Sogar Passanten sind kein Problem, solange sie lediglich Beiwerk sind, vereinfacht gesagt also nicht im (inhaltlichen) Mittelpunkt des Bilds stehen.


(Foto: Mathias Schindler, CC-BY-SA)

Insgesamt zeigte die die Vielfalt freien Wissens, die weit über die bloße Verwendung freier Lizenzen und Sammelprojekte wie die Wikipedia oder Wikimedia Commons hinausgeht. In der breiten Bevölkerung scheint Freies Wissen bisher nicht präsent zu sein, was auch daran liegen dürfte, dass – wie mehrfach berechtigt kritisiert wurde – der Fokus zu sehr auf der rechtlichen und weniger auf der praktischen und Nutzenseite liegt.

Hier ist noch viel Arbeit und stellenweise wohl auch ein Umdenken nötig, vor allem aber sind neue Konzepte und Ideen für die Öffentlichkeitsarbeit gefragt. Spontan würde ich sagen, dass den zahlreichen Initiativen eine zentrale Plattform fehlt, über die sie kommunizieren können. Wikimedia versteht sich zwar bereits als Sprachrohr für freies Wissen und wird von den Medien auch als solches wahrgenommen, die – unfreiwillige, aber naheliegende – Reduzierung des Begriffs Wissen auf im weitesten Sinne enzyklopädisches Wissen allein dürfte aber auf Dauer nicht zielführend sein.

Creative Commons Lizenzvertrag
Dieser Artikel von Kilian Kluge steht unter einer Creative Commons Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.

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